Wann haben Sie zu tanzen begonnen?

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Ich habe meine Ballettausbildung mit vier Jahren in meinem Heimatland Zypern begonnen – in einer kleinen Privatschule – und später in München weiterstudiert. Nach der Ausbildung habe ich einen Vertrag beim Wiener Staatsballett bekommen. Seit 2008 lebe und arbeite ich in Wien. 

Ist vier Jahre ein gutes Alter, um mit Ballett zu beginnen?

Ich denke, es ist völlig normal für ein Kind, sich in diesem Alter bewegungstechnisch auszuprobieren. Ernsthafter betreiben kann man es ab neun Jahren.

Hat Ballett in Zypern eine große Tradition?

Nein. Überhaupt nicht. Meine Eltern sind kulturell sehr interessiert und lieben jede Art von Kunst, und meine Tante war meine Ballettlehrerin. Sie hat sehr viel Zeit und Liebe in den Unterricht investiert.

Wann war Ihnen klar, dass Ballett nicht nur eine Leidenschaft war, sondern auch eine Profession sein könnte?

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Diese Frage wurde mir schon oft gestellt, ich muss aber sagen, dass ich diesbezüglich keinen inneren Monolog geführt habe. Für mich war das eine ganz normale Entwicklung, etwas, das ich nie in Zweifel gezogen habe. Der Weg dorthin war schwierig, aber die Entscheidung war einfach.

Der physische Aspekt des Tanzes ist enorm. Welche Qualitäten sollte man mitbringen, wenn man professionell tanzen möchte?

Das ist insofern eine interessante Frage, als wir in modernen Zeiten leben und es so scheint, als ob alles erlaubt wäre. Diversität ist wichtig, Körpertypen weichen stark voneinander ab. Auch die Ästhetik hat sich verändert, es hängt immer sehr stark vom jeweiligen künstlerischen Direktor ab und davon, wie er sich seine Company vorstellt und nach welchen Gesichtspunkten er sie formen möchte. Aber man braucht natürlich eine solide Technik und die Fähigkeit, eine Rolle interpretieren zu können. Schauspielerisches Talent ist in unserem Beruf wichtig. Unterschiedliche Tänzer haben selbstverständlich auch unterschiedliche Qualitäten, manche sind eleganter, andere können besser springen oder Drehungen ausführen. Wir alle versuchen, an unseren Vorzügen zu arbeiten, daran, was uns als Persönlichkeiten und Künstler definiert. Aber auch an unseren Mängeln, um besser zu werden. Es gibt jedenfalls immer viel zu tun.

Welche sind denn Ihre besonderen Stärken?

Ich denke, dass ich eine gute Schauspielerin bin, ich beschäftige mich intensiv mit den Rollen, die ich verkörpere. Und ich besitze eine ziemliche Sprungkraft und eine stark ausgeprägte Technik.

Und was ist für Sie das Spannendste, wenn Sie auf der Bühne stehen?

Die ganze Magie, eine Performance zum Leben zu erwecken. Besonders, wenn man in eine Rolle schlüpft und mit dieser eins wird. Natürlich achte ich darauf, körperlich und mental in bester Verfassung zu sein, aber am meisten liegt mir daran, das Publikum zu erfreuen. Das Publikum interessiert es nicht, ob du zwei oder drei Pirouetten machst oder ob Du ein paar Zentimeter höher springst als die anderen, es will gut unterhalten werden. Und das ist eines meiner vordringlichsten Ziele, sobald sich der Vorhang hebt.

Haben Sie Lampenfieber?

Ja, aber auf eine gesunde Weise. Ich bin nervös vor einer Vorstellung, was mich allerdings nicht davon abhält, auf die Bühne zu gehen.

Sind Sie eher dem klassischen oder dem modernen Tanz zugetan?

Ich betrachte mich gerne als jemand, der viele unterschiedliche Dinge kann. Natürlich ist die Staatsoper ein klassisches Opernhaus, auch meine Ausbildung war klassisch, mein primärer Aspekt ist also klassisches Ballett. Ich kann nicht behaupten, dass ich eine moderne Tänzerin bin, aber ich hatte das Glück, auch neoklassisches und modernes Repertoire zu tanzen. Ich würde sagen, ich bin eine jener Tänzerinnen in der Compagnie, deren Repertoire variiert.

Viele Schauspieler kennen ihren Text auch noch Jahre, nachdem sie ein Stück gespielt haben. Wie lange können Sie sich eine Choreographie merken?

Es gibt das Phänomen der Körpererinnerung. Wenn wir zum Beispiel eine Version von „Schwanensee“ erarbeiten und diese nach drei oder vier Jahren wieder tanzen, hat man die Schritte schnell wieder im Gedächtnis. Das ist etwas, was uns keine Sorgen bereitet, weil wir darauf trainiert sind. Für uns ist das ganz normal.  

Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen einer Solotänzerin und einer Ersten Solotänzerin?

Ich bin im September 2022 zur Ersten Solotänzerin ernannt worden. Erste Solotänzer tanzen ausschließlich Hauptrollen, während Solotänzer auch kleinere Rollen tanzen können. In der Hierarchie eines klassischen Balletts ist der Erste Solotänzer oder die Erste Solotänzerin das höchste erreichbare Level.

Welche Interessen haben Sie neben dem Tanz?

Viel Zeit bleibt nicht für andere Aktivitäten. Ich liebe es, zu lesen und bin sehr daran interessiert, was in der Welt vorgeht. Ich treffe gerne Freunde hier in Wien. Alles keine Tänzer. Ich gehe gerne ins Kino, in Museen und verbringe viel Zeit mit meinen zwei Katzen.

Bleibt auch noch Zeit, Ihr Heimatland Zypern zu besuchen?

Ja, jedes Jahr, wenn die Oper Pause macht, bin ich zwei Monate in Zypern. Ich organisiere gemeinsam mit meiner Schwester, die ebenfalls Tänzerin ist, allerdings im Modern Dance, sodass wir beide Bereiche kombinieren können, Sommerkurse für zypriotische Studierende. Wir versuchen, unser Wissen weiterzugeben und laden dazu Lehrer aus der ganzen Welt ein.

Tanzen Sie auch privat?

Beim Opernball tanze ich sehr gerne. Zuhause eher nicht. Natürlich mache ich ein paar Schritte, wenn ich gute Musik höre, aber mein Augenmerk liegt nicht darauf.  

Zu den Spielplänen der Wiener Staatsoper und der Volksoper Wien