Wenn diese Oper nicht in die prachtvolle Kulisse des Stifts Klosterneuburg passt: Verdis „Don Carlo“ ist heuer bei den dortigen Opernfestspielen auf dem Plan und bringt das Flair des spanischen Hofes gleich mit. Erstmalig inszeniert dort Günther Groissböck, der als Bass auf den großen Bühnen der Welt zu Hause ist. Erst kürzlich sang er Philipp II. in „Don Carlo“ an der Metropolitan Opera, in „Lady Macbeth von Mzensk“ war er an der Wiener Staatsoper zu sehen. Sein Regiedebüt gab er mit „Tristan Experiment“ in der Kammeroper.

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Nun sieht man erstmals eine Freiluft-Inszenierung von ihm – und seine Pläne dafür knüpft er eng an das Ambiente des Stiftshofs: „Die Inszenierung soll der Lokalität entsprechen. Wir haben hier einen wunderschönen Stiftshof zur Verfügung, in den man nichts Hässliches reinstellen sollte, wie ich finde. Es soll ein geschmackvoller, klassisch-moderner Rahmen sein, in dem wir unserer Fantasie so gut wie möglich freien Lauf lassen können“, sagt Groissböck im Interview, als er gerade auf Stippvisite beim Aufbau in Klosterneuburg vorbeischaut. „Es ist schön zu sehen, wie nun langsam im Stiftshof die großen Arkaden, die wir uns vorgestellt haben, aus Holz und Metall in die Höhe wachsen. Das wird spektakulär.“

Für mich ist ‚Don Carlo‘ eine Lieblingsoper, weil ich die düstere Atmosphäre sehr schätze – und ich habe alle drei großen Rollen darin mehrfach in unterschiedlichen Produktionen gesungen.

Günther Groissböck

Dass er beim Inszenieren auf seine langjährige Erfahrung als Sänger zurückgreift, der in dieser Oper bereits alle für ihn passenden Rollen gesungen hat, ist klar. Außerdem habe ihn „sichtlich inspiriert, was ich bei einem Besuch im Escorial gesehen habe. Und auch aus dem Film Der Name der Rose oder aus Arbeiten von David McVicar dürfte ich Dinge mitgenommen habe. Im Ganzen möchte ich eine schöne, klassische Arbeit auf die Bühne bringen, die dennoch viel mit heute zu tun hat.“

Der Kaiserhof des Stifts Klosterneuburg dient als Kulisse.

Foto: Roland Ferrigato

Gern in Doppelfunktion

Allein auf die Regie will er sich nicht konzentrieren: „Wenn ich inszeniere, will ich immer auch in einer Rolle als Sänger auf der Bühne mitwirken, einerseits, weil ich mich fit dafür fühle. Andererseits kann ich so die Inszenierung auch im Laufe der Vorstellungen noch reifen sehen. Und es entspricht meinem Verständnis von Gesamtverantwortung, wenn ich bis zum Schluss dabei bin.“ Dass es gerade Verdis „Don Carlo“ ist, macht für ihn einen zusätzlichen Reiz aus, denn: „Für mich ist Don Carlo eine Lieblingsoper, weil ich die düstere Atmosphäre sehr schätze – und ich habe alle drei großen Rollen darin mehrfach in unterschiedlichen Produktionen gesungen.“ Nun sind neben ihm auch noch Arthur Espiritu in der Titelrolle, Thomas Weinhappel als Marquis von Posa, Matheus Franca als Großinquisitor und Margarita Gritskova als Prinzessin Eboli besetzt. Die musikalische Leitung liegt bei Christoph Campestrini.

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Die Burgruine passt sehr gut für ‚Aida‘, sie unterstreicht, wie wir etwas aus der Geschichte ausgraben und in die Gegenwart bringen, ähnlich wie es Verdi gemacht hat.

Philipp Harnoncourt

„Aida“ in Gars

Im Waldviertel entführt man heuer nach Ägypten. Auf der Burg Gars steht Giuseppe Verdis „Aida“ auf dem Programm der Opernfestspiele, also jene Oper, die die tragische Liebe der äthiopischen Prinzessin mit dem ägyptischen Heerführer inmitten des Krieges zwischen diesen beiden Völkern zeigt. Regisseur Philipp Harnoncourt wird inszenieren: „Die Burgruine passt sehr gut für Aida, sie unterstreicht, wie wir etwas aus der Geschichte ausgraben und in die Gegenwart bringen, ähnlich wie es Verdi gemacht hat. Auf diese Art lässt sich die Ambivalenz einer glanzvollen Kultur, die ihre eigenen Leute lebendig begräbt und die in gewisser Weise dem Untergang geweiht war, gut rüberbringen.“

Die Bühne der Burg Gars.

Foto: Reinhard Podolsky

Vor allem gehe es ihm in seiner Inszenierung der Verdi-Oper um die „privaten, intimen Geschichten, die inmitten der Kriegsgeschehnisse vor sich gehen“. Aida, Radamès und Amneris sieht er als „naive junge Menschen, die mit einer alten, übermächtigen Welt konfrontiert werden und die am Schluss alle auf überraschende Weise Haltung zeigen.“ Gleichzeitig werde es ihm wichtig sein, so Harnoncourt, „diese zwei Welten gegenüberzustellen und durchaus auch Ironie und Brüchigkeit einzubringen, was das Thema Macht betrifft“. Den Bezug zu heutigen Kriegssituationen werde man automatisch herstellen, „das muss man nicht mit dem Zaunpfahl sichtbar machen“, sagt der Regisseur im Interview. Generell plane er, „diese Oper prächtig auf die Bühne zu bringen: Ich mag auch Spektakel. Und gerade eine Freiluftbühne fordert ja förmlich heraus, mit den Möglichkeiten zu arbeiten, die es im Theater sonst nicht gibt.“

Es singen Li Keng als Aida, Oscar Marín als Radamès und Nana Dzidziguri als Amneris. Johannes Wildner hat die musikalische Leitung inne. Letzterer wird sich in seiner Funktion als künstlerischer Leiter nach zehn Jahren verabschieden.

Originalklang und historische Aufführungspraxis

Ein Frühwerk der Operngeschichte bringt Teatro barocco heuer ins Stift Göttweig. Intendant Bernd R. Bienert hat Adolf Hasses „Antonio e Cleopatra“ von 1725 ausgewählt. In den Altmannisaal bringt er das Zwei-Personen-Stück, das die letzten Stunden des großen Liebespaars zum Thema hat. Doch kurz vor ihrem Entschluss zum gemeinsamen Selbstmord halten Antonius und Cleopatra nochmals inne und sprechen Karl VI., der viele Jahrhunderte später Kaiser sein wird, direkt an. „Dies wird zur klassischen Apotheose, also Verherrlichung des Regierenden“, so Bienert.

Für den Intendanten und Regisseur setzt sich das Bestreben nach historischer Aufführungspraxis und Originalklang, für die Teatro barocco seit Jahren steht, diesmal auch in der Wahl des Spielorts und des Premierentags fort. „Am Plafond der Kaisertreppe in Göttweig befindet sich das Deckenfresko von Paul Troger, das ebenso als Apotheose auf Kaiser Karl VI. zu lesen ist wie Hasses Oper. Das Datum der Premiere, der 2. September, erinnert an die verhängnisvolle, verlorene Schlacht Cleopatras und Marc Antons bei Aktium.“ Der Saal in Göttweig, der rund 100 Besucher fasst, beziehe sich außerdem darauf, dass Hasse das Werk für eine Privataufführung komponiert hat. Gerade so könne man die Oper so klingen lassen, wie das der Komponist einst wollte, so Bienert.

Spanisches Flair in St. Margarethen

Eine starke Frauenfigur steht heuer im Mittelpunkt des Sommerprogramms im Steinbruch St. Margarethen. „Carmen“ mit „Habanera“, „Seguidilla“ und Rosenarie bringt südliches Flair auf die Freiluftbühne, Arnaud Bernard inszeniert, Valerio Galli hat die musikalische Leitung über. Nach der Absage von singt Kristine Opolais singt Joyce El-Khoury die Titelrolle, Matthew White ist als José besetzt, Sergey Kaydalov als Escamillo. El-Khoury ist regelmäßiger Gast an Häusern wie dem Teatro Real Madrid, dem Royal Opera House Covent Garden und der Bayerischen Staatsoper in München. Arnaud, der „Carmen“ bereits mehrfach inszeniert hat, wird dies im Steinbruch „in Anlehnung an die großen Filmstudios der Vergangenheit“ tun, so die Opernfestspiele.