Der Roman „Die Eingeborenen von Maria Blut“ beschäftigt sich mit den 1930er Jahren in Österreich und setzt sich – zwischen Marienkult und Verschwörungstheorien – mit dem Vorabend des Nationalsozialismus auseinander.

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Inhalt

Eine scheinbare Dorfidylle in den 1930er Jahren: Im Wallfahrtsort Maria Blut wird es nach der Schließung einer Konservenfabrik unruhig. Der Unternehmer Schellbach versucht, die Bevölkerung dazu zu bewegen, in sein neues Produkt zu investieren: in die Raumkraft. Viele Dorfeinwohner geben ihr letztes Erspartes dafür her, doch dann erschießt sich Schellbach während eines Dorffestes und die Unternehmung scheitert. Die Stimmung kippt, die angeblichen Schuldigen werden schnell ausgemacht.

Ein rauen Gesprächsklima, eine dramatische Wirtschaftslage und politische Zuspitzungen stehen in Maria Lazars Text an der Tagesordnung. Im Zentrum des Romans stehen drei Familien, die mit Geldnot, Religion, Nationalismus und dem wachsenden Antisemitismus konfrontiert werden und sich plötzlich mitten im Aufstieg der Nationalsozialisten wiederfinden.

Werkgeschichte

Maria Lazar (1895-1948) ist eine der schillerndsten Figuren der Literaturszene ihrer Epoche. Ihre Bücher galten lange als vergessen und werden jetzt wiederentdeckt und veröffentlicht. „Die Eingeborenen von Maria Blut“ wurde 1935 im dänischen Exil fertiggestellt und erschien posthum 1957. Über ein halbes Jahrhundert später wird der Roman erneut einem breiten Lesepublikum zugänglich gemacht und 2020 von Johann Sonnleitner im DVB Verlag herausgegeben.

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Aufführungsgeschichte

„Die Eingeborenen von Maria Blut“ wurde 1937 in Bertolt Brechts Exilzeitschrift DAS WORT teilabgedruckt und ist nach „Der Henker“ in der Spielzeit 2019/20 die zweite Inszenierung eines Lazar-Textes im Akademietheater. Am 20. Jänner 2023 wurde die Inszenierung unter Regie von Lucia Bihler im Akademietheater uraufgeführt. Das Stück wurde zu den Besten des Jahres 2023 gekürt und zum renommierten „Berliner Theatertreffen“ eingeladen. Im Jury-Statement heißt es:

„Der Dramaturg Alexander Kerlin und die Regisseurin Lucia Bihler legen eine pointierte Fassung des figurenreichen Romans vor, die wie angegossen zu Bihlers stilisierten Bilderwelten passt. (...) Es entfaltet sich ein herausfordernder Theaterabend, die starke szenische Setzung unterläuft absichtsvoll jede stringente Narration. (...) DIE EINGEBORENEN VON MARIA BLUT nähert sich radikaler Literatur auf radikale Weise.“